Am 11.11. treffen in der Trompete Bochum zwei künstlerische Handschriften aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und sich gerade deshalb gegenseitig schärfen: Ultra Sunn und Sydney Valette. Ein Abend, der weniger Konzert als Verdichtung ist, ein Zusammenziehen von Popgeschichte, Clubästhetik und existenzieller Gegenwart.
Ultra Sunn, das belgische Duo, schreibt seine Songs aus dem Inneren einer europäischen Nacht heraus: kühl, präzise, von einer fast asketischen Eleganz. Ihre Musik bewegt sich im Spannungsfeld von Cold Wave, EBM und minimalem Synthpop, ohne je in Nostalgie zu kippen. Die Beats sind streng, die Melodien zurückhaltend, der Gesang von einer kontrollierten Dringlichkeit, die mehr andeutet als erklärt. Es ist Musik, die nicht um Aufmerksamkeit buhlt, sondern Haltung zeigt – dunkel, aber nicht hoffnungslos; distanziert, aber zutiefst menschlich.
Sydney Valette hingegen arbeitet mit Reibung. Der Pariser Produzent und Performer versteht Elektronik als Körperarbeit: verzerrte Synthesizer, aggressiv pulsierende Rhythmen, eine Stimme, die zwischen Beschwörung und Kontrollverlust oszilliert. Seine Tracks sind keine Flucht in die Maschine, sondern ein Kampf mit ihr – Industrial, Wave und Techno verschmelzen zu einer rohen, physisch spürbaren Form von Pop. Valette macht Musik, die nicht gefallen will, sondern fordert.